„SAG’S MULTI!“ – Informationen und Anregungen

 

Erstmals findet „SAG’S MULTI!“ 2020/21 unter der Trägerschaft des ORF statt. Es ist der zwölfte Durchgang dieses mehrsprachigen Redewettbewerbs, den der Verein Wirtschaft für Integration (VWFI) und EDUCULT – Denken und Handeln in Kultur und Bildung, gemeinsam entwickelt und erstmals 2009/2010 durchgeführt haben.

Zum ersten Mal werden heuer in allen Bundesländern komplette Durchgänge mit Vorrunde, Hauptrunde und Finalrunde mit Bundesländer-Preisträger*innen stattfinden – „SAG’S MULTI!“ wird also neu! Und es wird mehr Preisträger*innen geben. Ein Österreich-Abschluss im Juni krönt dann diesen Durchgang.

Bedingt durch COVID-19 wird ein Teil des Wettbewerbs digital durchgeführt. Das bedeutet, die Teilnahme an der Vorrunde und der Hauptrunde erfolgt durch selbst erstellte Videos von den Reden, die von unserer muttersprachlichen Jury bewertet werden. Erst die Finalrunde im April 2021 ist vor Publikum und Jury in den ORF Landesstudios geplant.

Zur Teilnahme eingeladen sind mehrsprachige Schüler*innen aller Schultypen ab der 7. Schulstufe aus ganz Österreich. 

Die "SAG'SMULTI!"-Bühne steht allen mehrsprachigen Schüler*innen offen - mit und ohne sogenannten Migrationshintergrund: Die Teilnehmer*innen treten mit zweisprachigen Reden an, in denen Sie zwischen Deutsch und einer weiteren Sprache wechseln. Diese zweite Sprache kann entweder eine andere Erst- bzw. Muttersprache als Deutsch oder eine erlernte Fremdsprache sein.

Der Mehrwert für Teilnehmer*innen

Der Wettbewerb fördert die Entfaltung der eigenen Ideen unter Wahrung der Selbstständigkeit und Individualität. Sie trägt zu einem gestiegenen Vertrauen der Schüler*innen in die eigenen Fähigkeiten bei. Für viele Jugendliche, die bereits an „SAG’S MULTI!“ teilgenommen haben, stellt der Wettbewerb ein großes Ereignis dar, an das sie sich noch lange zurückerinnern und worauf sie – zu Recht – stolz sind.

„SAG’S MULTI!“  bietet den jungen Talenten die Gelegenheit, zu einem gewählten Thema ihre Meinung in Form einer Rede zu äußern. Sie bekommen eine Bühne für ihre Gedanken und für die Fragen, die sie beschäftigen. 

Klares Ziel des „SAG’S MULTI!“ Redewettbewerbs ist es, Mehrsprachigkeit in Österreich als Gewinn aufzuzeigen und diese bei Jugendlichen aktiv zu fördern. Die Internationalität dieser jungen Menschen ist entscheidender Faktor für eine gute Zukunft Österreichs.

Für viele Jugendliche, die mit ihrer Erst- bzw. Muttersprache antreten, ist „SAG’S MULTI!“ die Gelegenheit, sich mit ihrer Mehrsprachigkeit positiv zu positionieren. Die Erst- bzw. Muttersprache ist für viele auch als „Herzenssprache“ ein besonderes Tor, um ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen.

Zweisprachig, bewegend – vor Publikum

Die besondere Herausforderung bei „SAG’S MULTI!“ liegt darin, in einer Rede zwischen zwei Sprachen zu wechselnund dabei eine Beziehung zum Publikum aufzubauen, im besten Fall ein Publikum zu berühren. 

Dieser Wille, mit der Rede andere bewegen zu wollen, ist damit auch ein entscheidender Faktor für die Wirkung auf Publikum und Jury.

Die selbst verfasste Rede soll auch bei der Videoaufnahme für den Wettbewerb „SAG’S MULTI!“  nach Möglichkeit vor einem Publikum, z.B. der eigenen Klasse gehalten werden. Falls dies nicht möglich ist, kann das Video auch zuhause aufgenommen werden (ohne Schnitt!) – beachten Sie in diesem Zusammenhang die Tipps für eine Videoaufnahme“.

Die Jurymitglieder bewerten die Rede nach klaren Kriterien in vier Kategorien: Inhalt, Auftritt, Deutsch und die zweite Sprache.

Auf der Webseite von „SAG’S MULTI!“ – www.sagsmulti.at– sind einige beispielhafte Redennachzuhören und auf YouTube gibt es mittlerweile über 100 Reden aus den vergangenen elf Durchgängen. Schaut rein!

Die Bewertung durch die Jury

In vier Kategorien bewertet die Jury nach Inhalt, Auftritt, Deutsch und der jeweils zweiten Sprache.

In Deutsch und der jeweiligen zweiten Sprache werden Aussprache, Wortschatz und Grammatik bewertet. In der Jury ist sichergestellt, dass für jede Sprache neben Deutsch Juror*innen auf Muttersprachen-Niveau die Reden bewerten.

Eine kurze Information darüber, wie lange der*die Redner*in Deutsch oder die zweite Sprache spricht oder lernt, sind für die Jury eine zusätzliche Orientierung – und können auch nur schriftlich am Manuskript vermerkt werden.

In der Kategorie Inhalt bewertet die Jury

  • den Aufbau und den inhaltlichen Bogen sowie
  • Bilder, die den Zuhörer*innen angeboten werden, nachvollziehbare Erkenntnisse und Erfahrungen.

Wenn starke persönliche Erfahrungen in der Rede geteilt werden, die möglicherweise auch starke Emotionen auslösen, ist es wichtig, ob darüber hinaus auch grundsätzliche Fragestellungen Raum finden.

In der Kategorie Auftritt werden zwei formale Kriterien bewertet:

  • ob der vorgegebene Zeitrahmen eingehalten worden ist (Dauer der Rede in der Vorrunde 3-4 Minuten sowie in der Haupt- und Finalrunde jeweils 6-8 Minuten) und 
  • ob die beiden Sprachen annähernd gleichwertig in der Rede eingesetzt worden sind (im Sinne einer ausgewogenen Verteilung).

Dazu kommen: die Dramaturgie der Rede, der Wechsel zwischen den Sprachen, die Dauer der jeweiligen „Sprachblöcke“, die Wirkung auf das Publikum, Körpersprache, Mimik, Gestik, Pausen, der Wechsel zwischen laut und leise sowie schnell und langsam.

 

Redevorbereitung 

Bei dem Auftritt kommt es nicht nur auf das Gesprochene an, es spielen viele Faktoren zusammen, die eine gute Rede ausmachen. Welchen Inhalt vermittelt die Rede? Passen Aussage, Körpersprache und Mimik zusammen und wirkt es authentisch? Zeigt sich der*die Redner*in kompetent in den beiden Sprachen und entspricht das Sprachniveau dem Alter des*der Redner*in? Hat die Rede die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen oder ging nach kurzer Zeit die Konzentration verloren? Hat der*die Redner*in einen guten Bogen gespannt und das Thema gut umgesetzt? 

 

Thematischer Bogen in der Rede 

Die Schüler*innen sollen aus den vorgegebenen Themen jenes wählen, über das sie gerne eine Rede halten möchten. Die Themen sind bewusst so formuliert, dass unter dem Titel auch sehr persönliche, auch unerwartete Zugänge möglich sind.

Entscheidend ist, dass ein Thema bzw. ein Inhalt gewählt wird, der den Jugendlichen persönlich beschäftigt. Eine Rede ist kein Referat und auch kein wissenschaftlicher Vortrag. Es geht um die Bereitschaft, sich mit einer eigenen Position, mit eigenen Erfahrungen vor ein Publikum zu stellen und den eigenen Platz/Standpunkt einzunehmen.

„SAG’S MULTI!“ will junge Menschen ermutigen sich zu artikulieren, eigene Erfahrungen zu vertiefen und Position zu beziehen.

Ohne Inhalt nützt die beste Rhetorik nichts. Authentisch wirkt die Rede erst dann, wenn sich der*die Redner*in sowohl inhaltlich als auch rhetorisch in dem Vortrag sicher fühlt. 

Auch Themen, die zu Beginn nicht gleich spannend scheinen, könnten bei genauerer Überlegung die bessere individuelle Alternative sein.

Das gewählte Thema soll von der*dem Redner*in interpretiert werden, der Inhalt und die Gestaltung der Rede ist dem*der Teilnehmer*in vollkommen freigestellt. Wichtig ist, dass ein Bezug zum gewählten Thema erkennbar bleibt.

Einleitung

Wie bei allen Redebeiträgen gilt, dass der*die Redner*in versuchen sollte, das Publikum unmittelbar anzusprechen, es abzuholen. Daher macht der Anfang einer Rede bereits einiges aus – ein guter Einstieg ist das Tor zu einer gelungenen Rede. 

Persönliche Erfahrungen, rhetorische Fragen, Zitate, aktuelle Anlässe, eine aussagekräftige These, ein starker Kontrast oder auch eine prägnante Beobachtung. Hilfreiche Orientierung ist im Einstieg auch eine persönliche Vorstellung mit Namen, ev. Alter und Schule, etc.

Folgende Fragen sollte ein*e Redner*in für sich beantworten: 

• Was will ich meinen Zuhörer*innen vermitteln, was soll zum Ausdruck kommen? 

• Welche Geschichte möchte ich erzählen und wie kann das am sinnvollsten „rübergebracht“ werden? 

• Welchen „Ton“ hat meine Rede und wie erreiche ich diese Wirkung? 

• Passen die Teile meiner Rede zusammen und ergibt das ein schlüssiges Gesamtbild? 

• Habe ich die zweite Sprache vernünftig in den Gesamttext eingebaut oder behindert sie den Erzählfluss? 

In einem kurzen Video hat der Juryvorsitzende Peter Wesely im elften „SAG’S MULTI!“-Durchgang einige Tipps für diese ersten Überlegungen gegeben.

 

Strukturierter Aufbau des Textes 

Die Rede sollte einen roten Faden haben. Ein strukturierter und logischer Aufbau der Rede macht es der Zuhörerschaft leichter, dem Erzählten zu folgen. Wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit der Zuhörer*innen während der gesamten Rededauer aufrechterhalten bleibt. 

Hier ist es hilfreich, die Rede mehrfach vor anderen, z.B. Freund*innen, einer Lehrkraft oder einem Elternteil vorzutragen.

Der Inhalt sollte bereits in der Vorbereitungszeit gut strukturiert werden: der Erzählstrang muss logisch aufgebaut sein. Oft hilft es, ein Brainstorming zu machen: Zettel und Stift zur Hand nehmen, Gedanken zu einem Thema machen und diese notieren. Dadurch lassen sich die Gedankengänge zu einem Thema besser und übersichtlicher strukturieren und ausbauen.

Auch hier gibt es ein kurzes Video von Peter Wesely, dem Juryvorsitzenden.

Ein mehrmaliger gelungener Wechsel zwischen Deutsch und der anderen Sprache wird von der Jury positiv bewertet. 

In der Vorbereitungsphase auf die Rede sollte bereits überlegt werden, welche Teile auf Deutsch und welche in der anderen Sprache formuliert werden. 

Die Leitfrage dabei ist: Wie schaffe ich es, die Inhalte in zwei Sprachen so zu strukturieren und aufzubereiten, dass auch ein Publikum, welches jeweils nur eine der beiden Sprachen versteht, der Rede folgen kann? Die Mehrheit der Zuhörer*innen wird vermutlich nur den deutschsprachigen Teil verstehen. Die Kunst ist also, die zweite Sprache neben Deutsch so geschickt in die Rede einzubauen, dass die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums nicht nachlässt. Grundsätzlich gilt aber: An welchen Stellen die zweite Sprache eingebaut wird, bleibt der*dem Redner*in vollkommen selbst überlassen: 

• Es können zwei parallele Handlungsstränge abwechselnd erzählt werden 

• Der deutsche Teil kann in die zweite Sprache 1:1 übersetzt werden 

• Inhaltlich kann die gleiche Geschichte mit Variationen, abwechselnd in beiden Sprachen, Teil der Rede sein.

Mit welcher Sprache begonnen und abgeschlossen wird, wie oft ein Wechsel stattfindet und wie die zweite Sprache eingebaut wird, ist dem*der Redner*in überlassen.

Zu beachten ist immer oben genannte Leitfrage. Denn, wenn der Anteil der zweiten Sprache zu groß ist, besteht die Gefahr, dass die Zuhörer*innen – die die zweite Sprache nicht beherrschen – bald „abschalten“ und dem Gesprochenen nicht mehr folgen (können). 

Auch darf der eigentliche Inhalt durch den Sprachenwechsel nicht verloren gehen, es sollen keine zu großen Lücken zwischen den Erzählsträngen entstehen. 

 

Üben vor dem Publikum 

Es hilft, wenn sich der*die Redner*in den eigenen geschriebenen Text zunächst sich selbst laut vorliest und interpretiert. Oft wird da schon deutlich, an welcher Stelle der Redefluss gehemmt wird. In der Wiederholung dieser Passagen kann geprüft werden, ob mehrmaliges Üben den Redefluss sichert – und wenn nicht, kann mit dem Stift in der Hand verbessert werden. Lange Sätze können z.B. geteilt oder ein neuer Satz eingefügt werden.

Der*die Lehrer*in kann hier unterstützend sein. Die Rede kann zur Vorbereitung auch vor der Klasse oder vor Eltern und Freunden vorgetragen werden, um einschätzen zu können, wie die Rede auf unterschiedliche Zuhörer*innen wirkt. 

Eine offene Kritikrunde mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen lassen sich oft ideal in den Unterricht einbauen. Auch kann ein Üben in der Klassengemeinschaft vorbeugend gegen Lampenfieber helfen. 

Achtung: Die Erfahrung zeigt, dass Reden für „SAG’S MULTI!“ oft private und sensible Gedanken des*der Redner*in enthalten. Oft sehen Redner*innen genau das als für sich ganz wesentlich und entscheidend an. Hier ist es wichtig, dass begleitende Lehrer*innen dabei unterstützend und schützend begleiten. Die Rede vor einem Publikum, die Rede, die über Internet abrufbar ist – hier muss Redner*innen bewusst sein, dass das nicht immer eine geschützte Öffentlichkeit ist. Die Jury und das Organisationsteam versuchen hier entgegenzuwirken, dass jugendliche Teilnehmer*innen nicht persönlich verletzt werden – durch entsprechende Moderation bei Veranstaltungen oder auf Social Media.

 

Reden, Text und Rhetorik: Worauf kommt es besonders an? 

Lieber Blickkontakt, statt direktes Ablesen. Moderationskarten, oder ein Manuskript, einseitig beschrieben (damit kein störendes Umblättern notwendig ist) sind die Basis.

Absätze, fett geschriebene Textpassagen, Kernsätze mit Leuchtstift hervorgehoben, wichtige Worte unterstrichen – das alles macht das Manuskript zu einer Art Landkarte für die „Route einer Rede“.

Um die Aufmerksamkeit des Publikums und der Jury zu bekommen, ist der Blickkontakt sehr wichtig. Deshalb sollte bei der Rede – trotz Notizen – möglichst frei gesprochen werden. Ist der geschriebene Text durch Absätze etc. gut strukturiert, ist das Manuskript ein gutes Sicherheitsnetz, in dem sich der*die Redner*in schnell wieder orientieren kann.

 

Deutliche Artikulation 

Das Publikum und die Jury hören gerne zu, wenn bei der Rede klar und deutlich gesprochen wird. Der Wechsel zwischen den Sprachen wird durch eine klare und deutliche Betonung umso eindrucksvoller. Betonungen und Pausen an der richtigen Stelle sind sehr wichtig! So weckt man das Interesse und die Zuhörer*innen können dem Inhalt viel besser folgen.

 

Körpersprache 

In erster Linie gilt es, sich nicht zu verstellen oder gar jemanden zu imitieren. Selbstbewusstes Auftreten punktet und die Rede sollte so präsentiert werden, wie sich der*die Redner*in wohlfühlt. Die Gestik und Mimik können unterstützend eingesetzt werden, wenn es die getroffene Aussage unterstreicht und authentisch ist.

Gezwungene, plakativ eingesetzte Mimik und Gestik fallen negativ auf, schaffen Distanz und nicht Nähe.

 

Die Video-Rede

Halte deine Rede bitte im Stehen. Das Video soll in einer Position und ungeschnitten aufgenommen werden. Das heißt, entscheide dich, auch wenn du mehrere Reden aufnimmst, für eine Version.

Nach Möglichkeit sollte die Rede vor Mitschüler*innen (in der Klasse)/ Freund*innen gehalten werden und von jemandem mit dem Smartphone aufgenommen werden, ODER du baust dir dein eigenes kleines Pult in Form eines Tisches, Bügelbretts, etc. und filmst die Redevon Zuhause aus mit dem Smartphone. Dabei werden die Redner*innen gebeten, die Rede so zu halten, als ob sie zu einem Publikum sprechen würden!

Das Video kann gerne einfach und unkompliziert mit einem Smartphone erstellt werden. Bitte dabei jedoch auf eine gute sprachliche Verständlichkeit achten. Ansonsten werden weder die technische Qualität noch der sonstige Rahmen des Auftritts (Hintergrund, …) bewertet, sondern ausschließlich die Rede selbst.

Achtung: Das Video muss in Querformat aufgenommen werden!

Ein Video mit Tipps zum Halten einer Rede und zur Aufnahme einer Videorede findest du hier

Was kommt gar nicht gut an? 

Bitte keine Plagiate!

Eigentlich selbstverständlich, jedoch kommt es trotz eindringlicher Warnung leider immer wieder vor:  Geistiges Eigentum anderer (z.B. Zitate, Textteile) muss als solche unter Angabe des*der Autor*in schriftlich sowie mündlich unbedingt benannt werden. Wer Texte mit „Copy and paste“ einsetzt, muss damit rechnen, disqualifiziert zu werden.

Schauspielerische Einlagen sowie das Herzeigen von Objekten (z.B. Bildmaterial) während der Rede sind nicht erlaubt. Auch musikalische Einlagen, wie z.B. Singen, Spielen auf Instrumenten, Vorspielen von Liedern, Sprechgesang, PoetrySlam o.ä. sind kein Teil des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAGS MULTI!“. 

Wir wünschen viel Erfolg bei der Rede! ☺

Das „SAG`S MULTI!“-Team